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8. August 2025
Biofilm: eine Herausforderung für Lebensmittelbetriebe
In der Lebensmittelindustrie gelten höchste Hygienestandards – und doch können Reinigungs- und Desinfektionsprozesse besonders bei einem Punkt an ihre Grenzen stoßen: dem Biofilm. Das mikrobiologische Phänomen kann sich hartnäckig in Produktionsumgebungen festsetzen. Die oft unsichtbare, aber äußerst beständige Kontaminationsquelle kann Oberflächen, Anlagen und selbst moderne Hygienekonzepte unterwandern – mit weitreichenden Folgen für die Produkt- und Betriebssicherheit. Der folgende Beitrag befasst sich mit der Hygieneherausforderung Biofilm.
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Was ist ein Biofilm?
Als Biofilm wird eine Matrix aus extrazellulären polymeren Substanzen (EPS) bezeichnet, die von einer strukturierten Gemeinschaft aus Mikroorganismen gebildet wird. Die Mikroorganismen sind vor allem Bakterien, aber auch Hefen, Schimmelpilze und Algen, die sich an Oberflächen haften. Die Biofilm-Matrix besteht unter anderem aus Polysacchariden, Proteinen, Lipiden oder DNA. Die Schicht begünstigt das Überleben und die Vermehrung der Organismen und schützt sie vor äußeren Einflüssen wie Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln.
Anders als frei schwimmende Keime haften Biofilme fest auf Oberflächen, etwa in Rohrleitungen, schwer zugänglichen Maschinenteilen, an Dichtungen oder auf Flächen offener Produktionsbereiche. Besonders kritisch ist, dass Biofilme oft mit bloßem Auge nicht erkennbar sind und sich trotz regelmäßiger Reinigung und Desinfektion weiterentwickeln können. Für die Lebensmittelindustrie stellen Biofilme beispielsweise eine Gefahr dar, da sie pathogenen Keimen wie Listeria monocytogenes, Salmonella enterica oder Staphylococcus aureus ideale Bedingungen zum Fortbestehen und zur Vermehrung bieten.
Entstehung und Eigenschaften von Biofilmen
Biofilme entwickeln sich bevorzugt an feuchten, nährstoffreichen und schlecht zugänglichen Stellen – beispielsweise in Rohrleitungen mit geringem oder keinem Durchfluss, an defekten Dichtungen oder hinter Verkleidungen. Auch Anlagen, deren Konstruktion hygienische Maßnahmen unzureichend berücksichtigen, begünstigen eine Entstehung. Selbst geringe Rückstände organischer Materialien können als Nährboden ausreichen, um die Anhaftung von Bakterien und spätere Entwicklung des Biofilms zu ermöglichen.
Zur Entstehung
Die Entstehung geht mit einem mehrstufigen Prozess einher, der unter bestimmten Bedingungen schnell voranschreiten kann. Zunächst kommt es zur reversiblen Anhaftung einzelner Mikroorganismen an einer Oberfläche. Diese ist instabil, da sie sich durch Einflüsse wie Strömungen, Temperaturveränderungen oder Reinigungsmaßnahmen leicht wieder lösen lässt.
Sind die Bedingungen günstig, haften sich die Mikroorganismen an die Oberfläche. Parallel zu den stabilen Verbindungen bildet sich die extrazelluläre polymere Substanz – die Basisstruktur des Biofilms. Die Mikroorganismen sind nun in eine wachsende Gemeinschaft eingebunden und stellen ein schwer zu beseitigendes Hygienerisiko dar.
Zu den Eigenschaften
Biofilme zeichnen sich durch ihre hohe ökologische Stabilität und Widerstandsfähigkeit aus. Die Matrix schützt die Zellen vor äußeren Faktoren wie Desinfektionsmittel, Hitze, Kälte oder Austrocknung. Darüber hinaus fördern Biofilme den Austausch zwischen den Mikroorganismen, was mit weiteren Schwierigkeiten einhergehen kann. Diese Eigenschaften stellen lebensmittelverarbeitende Betriebe vor Herausforderungen: Biofilme lassen sich nicht ohne weiteres detektieren, sind in der Lage, standardisierte Reinigungsprozesse zu überstehen und können so ein langfristiges Kontaminationsrisiko darstellen.
Maßnahmen gegen Biofilme: Früherkennung, Wissen, Prävention
Das wirksamste Mittel gegen eine Biofilmbildung ist ein konsequentes Hygienemanagement zur Prävention und frühzeitigen Erkennung – und ein damit verbundenes Fachwissen über die meist unsichtbare Hygieneherausforderung. Als wichtige Maßnahmen gelten aus diesem Grund die folgenden Aspekte:
Instrumente zur Früherkennung
Mikrobiologische Oberflächenproben: Abklatschtests und Tupferproben, einhergehend mit anschließender Kultivierung oder Analyse, ermöglichen den Nachweis spezifischer Hygieneindikatoren oder Pathogene.
ATP-Messungen zur Schnellkontrolle: ATP-Tests dienen dem Nachweis biologischer Rückstände durch die Erfassung von Adenosintriphosphat. Sie geben zwar keine Auskunft über Art und Menge der Rückstände, lassen aber dennoch Rückschlüsse auf die Effektivität der Reinigungsmaßnahmen zu.
Visuelle Inspektionen mit UV-Licht: Auch die Kontrolle mit UV-Licht kann ein effektives Hilfsmittel zur Beurteilung der Reinigungsqualität in hygienekritischen Bereichen darstellen. Hierbei kann entweder auf fluoreszierende Reinigungsmarker oder die natürliche Fluoreszenz bestimmter Mikroorganismen und organischer Rückstände gesetzt werden.
Bioindikatoren: Die spezialisierten Testverfahren können frühzeitig Hinweise auf mikrobielle Aktivitäten oder eine beginnende Biofilmbildung liefern. Sie reagieren auf bestimmte biochemische Signale, die typischerweise mit Mikroorganismen und Biofilmen in Verbindung stehen.
Prävention durch Wissen
Eine entscheidende Rolle bei der Vermeidung von Kontaminationen durch Biofilme spielt die Schulung des Personals. Mitarbeitende der Produktion, Reinigungsteams und Verantwortliche im Qualitätsmanagement müssen Kenntnisse über typische Risikozonen, Instrumente zum effektiven Hygienemanagement und die Mechanismen von Biofilmen haben. Präventive Maßnahmen sind zudem in das betriebliche HACCP-Konzept einzubetten und müssen kontinuierlich an aktuelle Standards angepasst werden.
Reinigungs- und Desinfektionsstrategien gegen den Biofilm
Sobald sich ein Biofilm gebildet hat, müssen Maßnahmen zu dessen Entfernung ergriffen werden. Da sich die eingebetteten Mikroorganismen durch die extrazelluläre Matrix schützen, kommen häufig mehrstufige Reinigungsverfahren zum Zuge. Diese setzen sich beispielsweise aus den folgenden zusammen:
Mechanische Reinigung: Druckluft-, Bürsten- oder Sprühverfahren zur Auflockerung der Matrix oder zur Entfernung organischer Rückstände.
Chemische Desinfektion: Verwendung biozider Substanzen – unter Beachtung aller gesetzlichen Vorgaben. Die Wirksamkeit ist dabei abhängig von Parametern wie Konzentration, Einwirkzeit oder Temperatur.
Enzymatische Reiniger: Präparate zum gezielten Abbau der Schutzstruktur des Biofilms. Besonders wirksam in Kombination mit anschließender Desinfektion.
Damit die Reinigungsmaßnahmen richtig greifen können, sollten Maschinen und Oberflächen so konstruiert sein, dass sich weder Reinigungsrückstände noch Feuchtigkeit oder Produktreste leicht ablagern können.
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